In der Woche vor den Faschingsferien begrüßte Realschuldirektor Andreas Schaffhauser in der Stadthalle einen besonderen Gast: Bernd Dämmrich, Zeitzeuge aus der ehemaligen DDR. Dieser berichtete den Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe eindrucksvoll von seinem Leben in der ehemaligen DDR, seinem gescheiterten Fluchtversuch und den Folgen für seine Familie.

Gleich zu Beginn seines Vortrags sprach Dämmrich offen über das einschneidendste Erlebnis seines Lebens: seine Verurteilung zu vier Jahren Haft. Der Grund dafür war sein Versuch, gemeinsam mit seiner Familie die DDR zu verlassen – ein Vorhaben, das damals als illegal galt.

Bernd Dämmrich, geboren 1941 in Thüringen, schilderte zunächst seine Kindheit und Jugend. Wie viele Kinder war er Mitglied der Jungpioniere, machte sich aber auch schon als Jugendlicher ein eigenes Bild von der politischen Lage. Über den in der DDR verbotenen Radiosender RIAS Berlin informierte er sich über Nachrichten aus dem Westen. Seine schulische Laufbahn verlief nicht ohne Einschränkungen: Der Besuch der Oberschule wurde ihm zunächst verwehrt. Stattdessen musste er die Mittelschule besuchen und anschließend eine Lehre absolvieren. Erst danach konnte er seinen eigentlichen Berufswunsch an einer Ingenieurschule umsetzen. Auch im Arbeitsleben erfuhr Dämmrich die politischen Zwänge des Systems. Eine Beförderung zum Gruppenleiter wurde ihm nur unter der Bedingung in Aussicht gestellt, der SED beizutreten,was er ablehnte. Selbst private Entscheidungen waren politisch beeinflusst: Seine geplante Hochzeitsreise nach Jugoslawien wurde nicht genehmigt.

Mit der Geburt der Kinder wuchs bei Bernd Dämmrich und seiner Frau Elke der Wunsch, die DDR zu verlassen und ihren Kindern ein freieres Leben zu ermöglichen. Ein Fluchtplan wurde organisiert: Am 1. August 1979 sollte die Familie über Warschau und von dort aus über Finnland in die Bundesrepublik gelangen.

Doch die Pläne der Familie wurden von der Stasi aufgedeckt. Man ließ sie bis Warschau reisen, dort aber kam es dann zur Verhaftung. Besonders belastend war für das Ehepaar, dass ihre Kinder unmittelbar von ihnen getrennt wurden und die beiden lange Zeit nicht wussten, wo sich diese befanden. Während der Haft wurde ihnen angeboten, durch eine Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit ihre Situation zu erleichtern – ein Angebot, das beide entschieden ablehnten.

Nach zwei Jahren Haft wurden Bernd und Elke Dämmrich von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft und ohne Vorankündigung in den Westen gebracht. Kurze Zeit später kam es auch endlich zur lange ersehnten Zusammenführung der ganzen Familie.

Zum Abschluss richtete Bernd Dämmrich eine persönliche Botschaft an die Schülerinnen und Schüler. Er wünsche ihnen ein gutes Leben mit Freude und Zuversicht. Gleichzeitig machte er deutlich, wie wertvoll Freiheit und Mitbestimmung seien: Nur ein demokratischer Staat ermögliche ein Leben in Glück und Freiheit.

Der Besuch hinterließ bei unseren Schülerinnen und Schülern einen bleibenden Eindruck und machte Geschichte auf eindrucksvolle Weise greifbar.