25 Jun 2018

Zugbrücke zum friedlichen Miteinander

   Das „Pack ma´s“ – Projekt der Leuchtenberg-Realschüler
schafft gegenseitiges Vertrauen

Das Gewaltpräventionsprojekt „Pack ma’s” gehört seit vielen Jahren zum festen Bestandteil an der Landgraf-Leuchtenberg-Realschule. Die Schüler näherten sich zusammen mit den betreuenden Lehrkräften in Szenenspielen und Diskussionsrunden dem Thema „Gewalt“. Sie beschäftigten sich mit Fragen wie: Was ist Gewalt? Welche Formen von Gewalt gibt es? Wie kann man ihr begegnen bzw. sie verhindern? „Ist eine Ohrfeige ein Gewaltakt? Wird man beim Ärgern von Haustieren zum Gewalttäter und übt ein Metzger beim Schlachten der Tiere Gewalt aus?“ Bei der „Gewaltleiter” ordneten die Schüler konkrete Fälle aus dem Alltagsleben auf einer Zahlenskala von 10 bis 100 an, die von massiver Gewalt bis keine Gewalt reichte, und entdeckten, dass die Einschätzungen ihrer Mitschüler recht unterschiedlich ausfielen. Sie lernten dabei, die beschriebenen Sachverhalte aus der Sicht eines Opfers zu betrachten. Das Opfer entscheidet letztendlich darüber, was Gewalt ist und was nicht.


Die Schüler legten ihre individuellen Einschätzungen auf der „Gewaltleiter“ fest.

Neben der Prävention von Konflikten, Gewalt oder Mobbing ging es darum, das Selbstbewusstsein der einzelnen Schüler und den Gemeinschaftsgeist einer Gruppe zu fördern. Denn in einer intakten Gemeinschaft, in der sich der Einzelne aufgehoben und verstanden fühlt, entstehen seltener Konflikte, die in Gewalt ausarten. Ein Ziel war es, zivilcouragiertes Verhalten zu vermitteln: Wie kann man als Außenstehender anderen in Krisensituationen helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Anhand einer fingierten Busfahrt, bei der die Schüler in die Rolle eines bedrängten Opfers bzw. in die eines unbeteiligten Fahrgastes schlüpften, analysierten sie das Verhalten der einzelnen Teilnehmer und erarbeiteten sinnvolle Reaktionsmöglichkeiten des Opfers sowie der außenstehenden Beobachter.


„Wie stark vertraue ich den Mitschülern?“ – die Zugbrücke machte es deutlich.

Beim Thema: „Mein Körper gehört mir“ ging es um Vertrauen und Körperwahrnehmung. Die Schüler erkannten, wie verletzlich der menschliche Körper ist und dass es darauf ankomme, es zu vermeiden, sich in eine Situation eines am Boden liegenden Opfers zu bringen, das keine Kontrolle mehr über sich hat. Ein freiwillig am Boden liegender Schüler entschied darüber, auf welchen Körperteil sich ein von ihm ausgesuchter Schüler stellen durfte. Er hatte dabei immer die Kontrolle über seinen Körper und konnte die Aktion auch jederzeit abbrechen.
Ein weiterer Themenbereich des Projekts beinhaltete die Stärkung der Gemeinschaft. Besonderen Spaß bereitete den Schülern ein Floßfahrt-Spiel. Dabei mussten sie sich auf die Stühle im Klassenzimmer stellen. Sie bestimmten, welcher Stuhl nach und nach weggenommen werden durfte. Durch geschicktes Ausbalancieren und guten Teamgeist schaffte es eine Klasse sogar, mit der Hälfte der Stühle auszukommen. „Die Klassengemeinschaft wurde entscheidend gestärkt“, bestätigte Lehrer Ingo Kiefl.


Nur als Team besteht man bei der „Floßfahrt auf dem reißenden Fluss“.

Viele Schüler waren aber auch sehr betroffen, als sie erfuhren, welche Auswirkungen Mobbing auf das gesamte Leben einzelner Menschen haben kann und dass Mobbing auch in der eigenen Klasse – oft für viele unbemerkt – stattfindet. Die Erkenntnisse aus den verschiedenen Spielen wurden auf Plakaten festgehalten, um so nachhaltig für ein konfliktfreies Miteinander zu werben. Studienrätin und Organisatorin Alexandra Granda zeigte sich mit dem Verlauf der beiden Vormittage zufrieden: „Die Schüler werden mit schwierigen Situationen konfrontiert und lernen Verhaltensstrategien, die ihnen sicherlich einmal in realen Konfliktsituationen helfen können.”

 


Das „Rübenziehen“ erforderte von beiden Seiten Kraft und Rücksichtnahme.

Bericht: Daniel Greilich