Geschichte unserer Schule

Johann Landgraf-Leuchtenberg

Warum wurde unsere Schule von Herrn Staatsminister für Unterricht und Kultus, Hans Zehetmair,
der Name 'Landgraf-Leuchtenberg-Realschule' verliehen?

Das Schuljahr 1987/88 stand unter dem Motto “Heimat”,
und so sollte durch die Namensverleihung der Heimatbezug hergestellt werden.
Denn Landgraf Johann I. von Leuchtenberg verlieh der Stadt Osterhofen, in deren Gemarkung die Realschule liegt, vor mehr als 600 Jahren das Stadtrecht.
Dieser Stadt ließ er seine besondere Fürsorge angedeihen.

Jener Johann I. von Leuchtenberg war Vogt des Klosters von Osterhofen, mit dieser Aufgabe hatte ihn Karl IV. belehnt.
In diesem schwierigen 14. Jahrhundert war er Statthalter des Herzogtums Niederbayern-Straubing und als geschätzter Friedensvermittler
bei den Streitigkeiten und kriegerischen Auseinandersetzungen der adeligen Herren jener Zeit  überaus erfolgreich tätig.
So soll er als Friedensvermittler Vorbild sein, dass wir, d.h. unsere Schulfamilie, in friedlichem Miteinander leben ohne Aggressionen, ohne Konfrontation!

(Rektor der Schule a.D. Klaus Müller)


Unser Schulgebäude und seine Architektur

(Kreisheimatpfleger Florian Jung)

Die 1965 in Osterhofen gegründete Realschule für Knaben war ein wichtiger Schritt, um auch männlichen Schülern vor Ort eine höhere Schulbildung zu ermöglichen.
Bis dahin konnten diese im Gegensatz zu den Mädchen, für die eine Realschule (damals auch „Mittelschule“ genannt) in Altenmarkt zur Verfügung stand,
in der unmittelbaren Umgebung nur bestimmte „Volksschulen“ (nach 1969 „Hauptschulen“) in der Gegend von Osterhofen besuchen.
Die Knabenrealschule war zunächst in einem provisorischen Gebäude untergebracht.

Nachdem die Stadt Osterhofen dem Landkreis Vilshofen kostenlos ein Baugrundstück in den Seewiesen zur Verfügung gestellt hatte, begannen im Oktober 1966 die Bauarbeiten für das neue Schulhaus.
Die Pläne stammten von dem Münchner Architekten Erwin Wrba. Die Grundsteinlegung erfolgte im April 1967.
Der Rohbau wurde von den Firmen L. Bauer KG (Altenmarkt) und F. X. Reiter (Osterhofen) ausgeführt.
Im November 1967 konnte das Richtfest begangen werden, die Einweihung erfolgte im November 1968, im folgenden Monat wurde das Schulhaus bezogen.
Die Baukosten beliefen sich auf ca. 3,7 Millionen DM. Im Zuge der Gebietsreform ging der Sachaufwand für das Gebäude im Jahre 1972 auf den Landkreis Deggendorf über.


Wie lässt sich die Architektur unseres Schulgebäudes beschreiben?
In den 50er Jahren hatte man sich noch häufig an überlieferten Bauformen (Satteldächer, gegliederte Fenster) orientiert und traditionelle Materialien
(Ziegel, Putze, Holz unter anderem für den Dachstuhl) handwerklich verarbeitet.
Ein Beispiel ist die 1954 eröffnete Volksschule Osterhofen (Seewiesen 2, heute Mittelschule).

In den 60er Jahren folgte eine Trendwende. In der Bundesrepublik verabschiedete man sich – vor allem bei der Planung von öffentlichen Gebäuden – zum Teil von den eben beschriebenen architektonischen Grundsätzen und orientierte sich stärker als zuvor an der Bauhaus-Architektur der Weimarer Republik. Dieser Rückgriff auf die Architekturmoderne (Flachdächer und rechteckige Formen) war Ausdruck eines tiefgreifenden Fortschrittsglaubens. Technische Neuerungen veränderten die Verarbeitung von Baustoffen: Verbesserungen bei der Glasherstellung ermöglichten die Produktion von großformatigem, wenig gegliedertem Mehrscheiben-Isolierglas, das auch für die Fenster unseres Gebäudes verwendet wurde. Vor allem der Einsatz von Beton zeigt, dass wirtschaftliche Aspekte ausschlaggebend bei zahlreichen Projekten waren: Die Stahlbeton-Verbundbautechnik vereinigt die positiven Eigenschaften des feuersicheren Kunststeins (auf Druck belastbar) und der als Armierung verwendeten Stahlkonstruktion (auf Zug belastbar). Unsere Schule ruht auf einer Stahlbetonplatte, auch die Decken zwischen den Geschossen sind in diesem Material ausgeführt. Unter dem Stilbegriff des Brutalismus (französisch béton brut, wörtlich ‚roher Beton‘) ist die Verwendung von Sichtbeton (vgl. Osterhofen, Stadtplatz 16, Kaufhaus, 1973, heute Müller) zu verstehen, der auch die Realschule Osterhofen prägt: “Das Charakteristikum des Baukörpers besteht darin, daß alle Fassadenflächen sowie Stützen und Balken innerhalb des Gebäudes in Sichtbeton mit senkrechter und waagrechter Brettschalung ausgeführt sind. Aufgrund dieser Bauweise bedürfen weder die Fassaden noch die übrigen Betonflächen einer Oberflächenbehandlung. Hierin besteht die Wirtschaftlichkeit der Sichtbetonbauweise. (…) Die inneren Tragwände bestehen aus Kalksandstein (Dünnformatmauerwerk), sind bündig verfugt und weiß geschlämmt.”1 Sowohl an der Fassade als auch an vielen Flächen im Inneren war somit ein Putz ebenso unnötig wie ein später immer wieder zu erneuernder Farbanstrich. Abgesehen von dem geringen Pflegeaufwand beschleunigte der Einsatz von Beton die Bauausführung. Im Zuge der Industrialisierung des Bauens griff man teilweise auf vorgefertigte Stahlbetonteile zurück. Diese Technik kam auch bei unserem Gebäude zum Einsatz: Die oben an der Außenfassade umlaufende Attika und die Brüstungen vor dem ersten und zweiten Obergeschoss bestehen aus Stahlbetonfertigteilen. Die Brüstungen dienen – wie auch die Jalousien aus eloxiertem Leichtmetall – der Verschattung. Holz wurde unter anderem für Fenster- und Türrahmen, Wandvertäfelungen und abgehängte Decken verwendet, wobei man auch hier auf eine schlichte Ausführung achtete. Zwei Wände der Pausenhalle wurden mit z. T. künstlerisch gestalteten Keramikfliesen verkleidet. Als Bodenbelag fanden vor allem Spaltplatten und Linoleum Verwendung.

Laut einem Presseartikel ließen sich im November 1968 über 500 Besucher von der Funktionalität des Neubaues überzeugen: “Sie alle waren von der modernen architektonischen Bauweise und der zweckmäßigen Raumgestaltung sehr beeindruckt.”2 Auch Direktor Hans Schön lobte bei der Einweihung “dieses schöne, solide, und vor allem zweckmäßige Haus”.3 Der Vilshofener Landrat Ernst Hofmann äußerte sich bei diesem Anlass ebenfalls positiv: “Die Gliederung des Bauwerkes nach Gesichtspunkten neuzeitlicher Architektur und die räumliche Gestaltung ohne Luxus stellen eine gediegene Lösung dar.”4 Der Architekt räumte bei der Einweihung zwar Folgendes ein: “Es gebe aber im Landkreis nicht nur Stimmen der Freude, sondern auch Kritik an der äußeren Gestalt der Schule sowie an der Wahl der Materialien. Bezeichnungen wie ‘Bildungsbunker’, ‘baldige Bezugsfertigkeit des Rohbaues’ und ähnliches könne man hören.” Laut Wrba jedoch “müsse eine Schule schon rein äußerlich erkennen lassen, daß sie für junge Menschen gebaut wurde, die durch ihre geistige Reife und Weiterbildung allen positiven Entwicklungen unserer Zeit aufgeschlossen gegenüberstünden.”5 Somit äußerte sich der Architekt im Sinne des bereits genannten Fortschrittsglaubens und wirft den Kritikern indirekt Rückständigkeit vor.

Seit den späten 70er und frühen 80er Jahren beurteilt man die Architektur der 60er und frühen 70er Jahre oftmals negativ: Entsprechende Schlagworte lauten Bausünde, atmosphärische Kälte, Monotonie und Leblosigkeit. Außerdem bereitete die unzureichende Dichtigkeit der Flachdächer ebenso Probleme wie der wegen der Bildung von Kältebrücken energetisch fragwürdige Beton. So greift man im Zuge der Postmoderne wieder vermehrt auf ältere architektonische Traditionen wie Sattel- und Walmdächer und verschiedene geometrische Formen (Kreis bzw. Bogen, Dreieck) sowie traditionelle Materialien (Ziegel, Putz bzw. Putzmauerwerk, Naturstein) zurück (vgl. Sparkasse Osterhofen, Marienplatz 5, grundlegende Sanierung 1998/99). Der bloße Funktionalismus und nüchterne, einheitliche Formen wurden von einer gestalterischen Vielfalt und der Idealvorstellung der Einfügung eines Gebäudes in die Umgebung abgelöst, wobei man die Verwendung industriell hergestellter Fertigteile wie beispielsweise Fensterstürze beibehalten hat. Darüber hinaus verwendet man seit einigen Jahren großflächiges Glas für die Fassadengestaltung (Sparkasse Osterhofen, Verkleidung des Treppenhauses, 1999) beziehungsweise kombiniert dieses mit dem gezielten Einsatz von Sichtbeton an bestimmten Flächen (Rathaus Künzing mit Museum Quintana, 1999/2001).

Florian Jung, Kreisheimatpfleger