29 Jan 2020

Starke Knochen für eine stabile Gesundheit

 Vortrag des Internisten und Osteologen
Dr. Christian Günther an der LLR

An der Landgraf-Leuchtenberg-Realschule stehen die Themen Gesundheit und Bewegung immer wieder im Focus. Für die siebte Jahrgangsstufe referierte Dr. med. Christian Günther, Arzt an der orthopädischen Fachklinik Schwarzach, zum Thema „Volkskrankheit Osteoporose – eine Kinder- und Jugendkrankheit?“ Dr. Günther brachte es gleich zu Beginn seines Vortrags auf den Punkt: „Knochengesundheit beginnt in der Jugend“ und „Osteoporose ist eine Krankheit, die sich zu 100 Prozent vermeiden lässt.“ In einem „Schnellzug-Vortrag“ erläuterte der Arzt, was man tun muss, um ein gesundes Skelett zu bekommen, damit keine Osteoporose entsteht. Anhand eines Schaubildes zeigte er den Aufbau der Knochen und erklärte: „Bis zum 30. Lebensjahr wird Knochenmasse aufgebaut. Danach baut sie sich langsam wieder ab.“ Deshalb sei es wichtig, dass durch eine richtige Lebensweise möglichst viel Knochenmasse aufgebaut wird. Einen engen Zusammenhang gibt es zwischen Muskelaufbau und Knochenmasse. Dr. Günther zeigte erschreckende Beispiele, die die Folgen der Osteoporose veranschaulichten. Weltweit gibt es 250 Millionen Osteoporose-Kranke, allein in Deutschland 6,3 Millionen und es werden immer mehr. Die Krankheit entsteht, wenn es zu einem Missverhältnis zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau kommt. Sehr deutlich demonstrierte er dies anhand einer Zeichnung, die ein Fachwerkhaus zeigte, und verglich es mit einem gesunden Skelett: „Was mit der Zeit morsch wird, wird hierbei ausgewechselt und die Balken werden erneuert. Das Haus bleibt nach wie vor stabil. Wenn jedoch zu viel von dem Gebälk abgetragen und nicht erneuert wird, bricht das Haus zusammen.“ Übertragen auf den medizinischen Sachverhalt bedeutet dies, wenn An- und Abbauzellen sich die Waage halten, ist alles in Ordnung. Im Fall einer Osteoporose ist der Abbau viel zu stark und wird nicht mehr ausgeglichen. So werden die Knochen porös und es kommt zu Löchern in den Knochen und zu Knochenbrüchen. Ein Problem ist, dass man bei Osteoporose – anders als bei Herzinfarkt oder Lungenentzündung – zunächst nichts bemerkt. Erst nach Jahren oder Jahrzehnten macht sich die „Knochenlöchrigkeit“ bzw. der „Knochenschwund“ mit gravierenden Folgen bemerkbar. Die Krankheit zu erkennen, bevor es zum Knochenbruch kommt, ist daher sehr wichtig. Meistens kommt es zu Brüchen an der Wirbelsäule, der Hüfte, an Unter- oder Oberarm – und das in Deutschland alle drei Sekunden.

Die Anbauzellen beim Knochenaufbau überwiegen im jugendlichen Alter. Von ursprünglich 800 mg beim Kleinkind reichert sich das Kalzium auf 1,2 kg im Erwachsenenalter in den Knochen an: eine riesige Leistung der Anbauzellen, erklärt Dr. Günther. Jedoch kann der Aufbau der Knochenmasse gestört werden bei zu geringer Kalzium-Aufnahme, und zwar durch falsche Ernährung mit zu wenig Milchprodukten und zu viel Cola. Auch Bewegungsmangel, Alkohol und Nikotin sowie die Einnahme bestimmter Medikamente gelten als Risikofaktoren. Die Vererbung spielt zu 60 Prozent eine Rolle, die restlichen 40 Prozent lassen sich durch einen gesunden Lebenswandel gezielt beeinflussen. Bedenklich findet der Arzt die Entwicklung im Jugendalter in den letzten Jahren: „Bei vielen Jugendlichen ist die Kalziumanreicherung gerade mal bei der Hälfte der Sollerfüllung.“ Zunehmender Kalziummangel führt später zwangsläufig zu Osteoporose. Erst das Kalzium macht die Knochen fest, betont Dr. Günther: „Wer nur Fastfood isst und gesüßte Getränke wie Cola trinkt, kriegt keine guten Knochen.“, mahnte er. Eine weitere negative Entwicklung sei die fehlende Bewegung vieler Kinder und Jugendlicher. Studien belegen eindeutig, dass mit Bewegung die Kurve der Knochenmasse nach oben geht. Sportliche Inaktivität erniedrigt sie enorm: „Wer keinen Sport treibt, hat schlechte Karten, was die Knochen angeht“, sagte der Osteoporose-Fachmann. Die Knochenmasse-Kurve geht extrem nach unten bei Menschen, die weniger als zwei Stunden Sport in der Woche ausüben. Dr. Günther warnte vor dem falschen Verhalten vieler Erwachsener: Nikotin verdoppelt nämlich das Risiko auf Osteoporose und Knochenbrüche. Auch Alkohol hat einen negativen Einfluss auf alle Organsysteme sowie Leber, Gehirn und Haut. Ein Übermaß schadet auf jeden Fall der Knochenstabilität. Dr. Günther gab den Schülern abschließend den Rat, sich ausgewogen und kalziumreich zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben, damit die Krankheit Osteoporose bei ihnen keine Chance hat. Mit großem Applaus bedankten sich die Siebtklässler für den sehr informativen, kurzweiligen und auch humorvollen Vortrag.


Pferderennen in der 6c: mit stampfenden Bewegungen die Knochen festigen. 


Aufmerksam lauschen die Schüler den Erklärungen von Dr. Christian Günther. 

 

 
Singend erklärt Dr. Günther eingängige Verhaltensmaßnahmen, um Osteoporose zu verhindern.