18 Sep 2018

Religiöse Toleranz als topaktuelles Thema

Forum-Theater Wien gastierte an der Landgraf-Leuchtenberg-Realschule und führte Lessings „Nathan“ auf

Kann ein über 200 Jahre altes Theaterstück junge Menschen noch fesseln? Das Forum-Theater aus Wien mit seiner Adaption von Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ erreichte dies am Mittwochvormittag bei den rund 100 Schülern und Schülerinnen der Landgraf-Leuchtenberg-Realschule aus der achten Jahrgangsstufe.

Lessing hat die religiöse Toleranz dem Andersgläubigen gegenüber in den Mittelpunkt seines zeitlosen Theaterstücks gestellt. Der Jude Nathan, der Moslem Sultan Saladin und der christliche Tempelherr schließen am Schluss des Stückes, welches 1187 in Jerusalem spielt, Freundschaft über die Grenzen der Religion hinweg. Der Tempelherr, hat Recha, die Adoptivtochter des reichen jüdischen Kaufmanns, während dessen Abwesenheit aus den Flammen ihres brennenden Hauses gerettet. Zwar weigert sich der Christ zunächst mit dem Juden überhaupt zu reden; nachdem er sich aber in das Mädchen verliebt hat, kommt es doch zum Gespräch der beiden und er erkennt: „Ich habe einen in Euch gefunden, dem es genügt, ein Mensch zu heißen. Wir müssen Freunde werden!“. Am Ende stellt sich heraus, dass Recha und der Tempelherr Geschwister sind und die drei Weltreligionen vereinen sich in einem bewegten Finale der Freundschaft. Das Kernstück des Geschehens bildet die „Ringparabel“. Bei drei völlig gleichen Ringen, die für die drei Religionen stehen, ist es unmöglich die „wahre“ zu erkennen. Als Lehre aus der Parabel bleibt, dass jeder Besitzer „seiner von Vorurteilen freien Liebe mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun, mit innigster Ergebenheit in Gott“ nacheifern soll und so die Echtheit des Rings und damit seines Glaubens beweisen kann.

Niemand kann sich, bedingt durch die Medien, den weltweiten Auseinandersetzungen, den Debatten über Krieg und Frieden, über Aussöhnung und Toleranz gegenüber Andersdenkenden entziehen; niemand, auch die Schülerinnen und Schüler nicht.

In eindrucksvoller Weise schafften es die Akteure, den Kern des Dramas, die religiöse Toleranz dem Andersgläubigen gegenüber, den Schülern und Schülerinnen zu vermitteln. In einer vereinfachten Textfassung wurden die Charaktere klar umrissen, so dass das junge Publikum der Handlung gut folgen konnte.

Der humoristische Touch, mit dem die Theatergruppe das Stück versah, ließ die Aufführung sowohl für die Schüler und Schülerinnen als auch für die Lehrkräfte zu einem „kulturellen Schmankerl“ werden.


Klosterbruder (r.) (Peter Arnt) und Tempelherr (l.) (Valentin Haiden) im Gespräch.

 


Recha (r.) (Andrea Ostermann) dankt dem Tempelherrn (Valentin Haiden) für ihre Rettung.

 


Nathan (r.) (Lars Heinecke) erzählt dem Sultan (Peter Arnt) die Ringparabel.