18 Jul 2018

Besuch der KZ-Gedenkstätten in Dachau und Mauthausen

Einblick in die nationalsozialistische Diktatur

Kurz vor Beginn der Weihnachtsferien fuhren Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe zu den KZ-Gedenkstätten in Dachau und Mauthausen. Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte direkt vor Ort ist ein wichtiges Anliegen der Fachschaft Geschichte an der LLR und ermöglicht den Schülern, einen noch tieferen Einblick in die menschenverachtende Situation der Zeit des Dritten Reiches zu erhalten.
Skulptur aus ineinander verkeilten und bis zum Skelett abgemagerten Körpern in Dachau
Die Klassen 10b und 10c besuchten die KZ-Gedenkstätte in Dachau. Begleitet wurden sie von den Lehrkräften Maria Arndt und Alexandra Stöttner-Luttner. Wie zum Hohn ragte das Mahnmal mit der Skulptur aus ineinander verkeilten und bis zum Skelett abgemagerten Körpern in den grauen Dezemberhimmel, als die Mädchen, aufgeteilt in zwei Gruppen, auf dem Appellplatz standen und erfuhren, dass von den ca. 200 000 Häftlingen, die von 1933 bis 1945 im Lager waren, mehr als 30 000 Menschen die Schikanen der SS nicht überlebt hatten.
Es gab viele Möglichkeiten, im Konzentrationslager zu sterben. Bereits ein Verstoß gegen die von der SS aufgestellten Regeln wurde mit den sogenannten drei bösen B`s, Bock, Baum oder Bunker bestraft. Dies bedeutete für die Häftlinge, deren einziges „Verbrechen“ die Opposition zum Nationalsozialismus war, zumeist den sicheren Tod. Hatten die Gefangenen ihre Bettdecken in den Baracken nicht exakt glattgestrichen, so dass die Streifen der Betttücher gerade Linien bildeten, konnte dies mit Bock oder Baumhängen bis zum Tode bestraft werden. „Mich entsetzt der Zynismus, der Sadismus und die extreme Brutalität der SS-Aufseher, die keinerlei Mitleid kannten“, beschreibt eine Schülerin ihre Eindrücke.
Andere waren überrascht, als sie erfuhren, dass im KZ-Dachau so viele Menschen ums Leben gekommen waren. Die meisten starben an Hunger, an ansteckenden Krankheiten oder an der kräftezehrenden Arbeit, die entgegen dem anderslautenden Spruch auf dem Eingangstor zum Lager nicht frei machte. Vor allem nach Kriegsbeginn 1939 stieg die Zahl der Todesopfer, weshalb die Verbrennungsanlagen erweitert wurden. Hinzu kam eine als Brausebad getarnte Gaskammer, die in Dachau jedoch nicht in Betrieb genommen wurde. Dennoch erhielten die Besucher einen Einblick in das fabrikmäßig organisierte Töten, wie es in Auschwitz praktiziert wurde.
Es sei für sie unvorstellbar, mit welcher Perfektion und Menschenverachtung vor nicht allzu langer Zeit in diesem Land Menschen eiskalt getötet und verbrannt wurden, meinte eine Schülerin der LLR. Dass die Würde dieser Menschen vom ersten Schritt in das Konzentrationslager bis zum Tod, ja sogar darüber hinaus, mit Füßen getreten wurde, war für die Schülerinnen schwer fassbar. Denn sie wachsen heute in einem Deutschland auf, in dem der Grundsatz gilt: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Die Todesstiege in Mauthausen als Symbol für die menschenverachtende Vernichtung durch Arbeit
Die Schüler der Klassen 10d und 10e besuchten, begleitet von den Lehrkräften Brigitte Lechner und Daniel Greilich, das Konzentrationslager Mauthausen in der Nähe von Linz. Dort wurden sie von ausgebildeten Guides in drei Kleingruppen durch die Anlage geführt. So marschierten sie den gleichen Weg in das mächtige und bedrohlich wirkende Lager wie seinerzeit die Häftlinge: Sie gingen durch schwere und unbezwingbare Tore in eine andere Welt ohne Hoffnung. Die Schüler bekamen einen tiefen Einblick in die menschenverachtenden Hinrichtungsmechanismen, die zeigten, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind. Die Häftlinge hatten unter erbärmlichsten Bedingungen und mit denkbar schlechter Nahrungsversorgung schwerste Arbeiten im angrenzenden Steinbruch, dem „Wiener Graben“, zu verrichten. Sie wurden gezwungen, zentnerschwere Granitblöcke über die sogenannte „Todesstiege“ in das 31 Meter höher gelegene Lager zu schleppen. Bereits die Bezeichnung jener Treppe lässt erkennen, welche tödlichen Absichten verfolgt wurden. Unzählige Arbeiter stürzten mit ihrer Last die Treppe hinunter und rissen Mitgefangene mit in den Tod oder erlitten schwerste Verletzungen, die medizinisch nicht versorgt wurden. Manch einer bekam eine Todesspritze mit Benzol. Ab Mai 1942 wurde die erste Gaskammer zur systematischen Tötung kranker oder arbeitsunfähiger Häftlinge in Mauthausen in Betrieb genommen. Eine Rückkehr der Häftlinge in die Gesellschaft war nicht beabsichtigt und praktisch ausgeschlossen. Insgesamt waren dort in der Zeit von 1938 bis 1945 über 197 000 überwiegend männliche Häftlinge inhaftiert, wovon nachweislich mehr als die Hälfte ermordet wurden. Unter ihnen waren Gefangene aus 30 verschiedenen Nationen, Zigeuner, ehemalige Straftäter, Andersdenkende, Homosexuelle, Juden und sogenannte „Asoziale“, welche willkürlich durch die SS zu solchen erklärt wurden. Sogar Kinder und Jugendliche zählten zu den Gefangenen. Heute, 72 Jahre nach der Befreiung der Überlebenden und der Auflösung des Konzentrationslagers durch alliierte Einheiten, erinnern immer noch gewaltige und furchteinflößende Gebäudekomplexe mit ihren todbringenden Einrichtungen an diese furchtbare Zeit.
Zahlreiche Örtlichkeiten und Begebenheiten wurden in Ruhe erkundet und erklärt, bis hin zur „Mühlviertler Hasenjagd“, einer blutigen Tragödie: dem Ausbruch von 500 russischen Todeshäftlingen, denen vorerst eine spektakuläre Flucht aus dem streng gesicherten Lager gelang. Durch die Mithilfe der Bevölkerung kamen nahezu alle Häftlinge zu Tode. So trugen auch die Einheimischen ihren Teil zu dieser gnadenlosen Menschenjagd bei und wurden zu Mittätern. Das KZ-Mauthausen selbst zu erkunden, in den einzelnen Räumen zu stehen und zu wissen, dass hier viele Menschen getötet wurden, war für die viele eine ergreifende Erfahrung, die die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken brachte.
Der Gedenkstättenbesuch in Dachau und Mauthausen zeigt einen Mosaikstein der Verbrechen des Dritten Reiches auf, der viele aufrüttelte. Gerade in der Adventszeit hoffen doch die Menschen auf ein friedliches Miteinander und eine sich zum Guten wendende Zukunft.

Die Klassen 10b und 10c besuchten das KZ in Dachau.

Die Schüler der Klassen 10d und 10e vor dem Eingangstor des KZ Mauthausen.

Bernhard Groschupfer berichtete den Schüler über das Schicksal der russischen Häftlinge.